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KI im Vertrieb: Praxisleitfaden für B2B-Teams

Wie künstliche Intelligenz Research, Priorisierung und Kundengespräche unterstützt – inklusive Governance, Datenanforderungen und KPIs.

Autor: Dominik Scherwinsky Aktualisiert: Lesezeit: 9 Minuten

TL;DR

Was bedeutet KI im Vertrieb?

Unter KI im Vertrieb fassen wir den Einsatz von Machine-Learning- und LLM-Technologien zusammen, die Vertriebsprozesse datengetrieben unterstützen. Dazu gehören Data Retrieval, Segmentierung, Next-Best-Action-Empfehlungen, Forecasting und unterstützende Kommunikationswerkzeuge. KI ersetzt keine Vertriebsmitarbeitenden, sondern liefert Kontext und Vorschläge, die überprüft und verantwortet werden.

Ein operatives Zielbild umfasst mindestens drei Ebenen: Datenbasis (Firmographics, Intent, Aktivitäten), Automatisierung (Workflows, Trigger, Orchestrierung) und Enablement (Guidelines, Training, Feedbackschleifen). Ohne belastbare Daten und überprüfbare Prozesse bleibt der Nutzen begrenzt.

Nutzen und Business Value

Ein häufiger Irrtum: KI allein löst keine strukturellen Probleme. Erst wenn Prozesse klar definiert sind, Deliverables versioniert und Feedbackschleifen kurz gehalten werden, entfaltet der Einsatz Wirkung.

Kern-Use-Cases entlang des Vertriebsfunnels

  1. Account Intelligence: Zusammenführen öffentlicher, lizenzierter und proprietärer Daten in Deep-Research-Dossiers. Grundlage für ABM-Kampagnen.
  2. Lead-Scoring & Routing: Kombination aus Intent Signals, Fit-Daten und Engagement. Übergabe an SDR-Teams erfolgt nach definierten Kriterien.
  3. Opportunity Coaching: Conversation Intelligence und Einwanddatenbank helfen, nächste Schritte zu priorisieren und Playbooks zu schließen.
  4. Renewal / Expansion: Nutzung von Product-Usage, Support-Signalen und Zahlungsdaten für proaktive Betreuung.
  5. Revenue Operations: Automatisierte Aktualisierung von CRM-Feldern, Forecast-Checks und Reporting.

Einführungsschritte und Verantwortlichkeiten

  1. Discovery & Zielbild: Workshop-Reihe mit Vertrieb, Ops, Datenschutz. Ergebnis: Use-Case-Priorisierung, Erfolgsmetriken, Risiken.
  2. Dateninventur: Analyse vorhandener Systeme (CRM, Data Lake, Support, Intent-Daten). Lücken werden dokumentiert, Anreicherungsquellen bewertet.
  3. Pilotierung: Fokus auf einen klaren Playbook-Schritt (z. B. Deep-Research-Dossier oder Lead-Scoring). Erfolgskriterien: Akzeptanz, Qualität, Zeitgewinn.
  4. Scale & Enablement: Aufbau eines Center of Excellence, Dokumentation von Prompts, Governance-Regeln, Trainingssequenzen.
  5. Iteration & Audit: Monatliche Reviews, KPI-Tracking, Compliance-Prüfungen und Feedback aus Vertriebsgesprächen.

Governance, Sicherheit und Ethik

KI-Projekte müssen Datenschutz (DSGVO), Informationssicherheit und ethische Leitlinien berücksichtigen. IntroGroup empfiehlt ein RACI-Modell mit klaren Rollen: Product/AI (Modellverantwortung), Legal (Datennutzung), RevOps (Prozessverankerung), Sales Leadership (Adoption). Prompt-Guidelines, Logging, Zugriffskontrollen und regelmäßige Bias-Checks sichern Qualität.

Wichtig ist, dass sensible Daten nicht in unkontrollierte Systeme gelangen. On-Premises- oder EU-Hosting, Pseudonymisierung und Audit-Trails sind Voraussetzung für Vertrauen.

KPIs und Messgrößen

FAQ

Welche Voraussetzungen braucht KI im Vertrieb?

Solide Datenqualität, dokumentierte Prozesse, klare Verantwortlichkeiten und ein Governance-Set-up mit Datenschutzfreigaben.

Wie starte ich einen Pilot?

Wähle einen klar abgegrenzten Use Case, definiere Erfolgskriterien, nutze bestehende Datenquellen und dokumentiere Feedback in einer zentralen Wissensbasis.

Welche Risiken bestehen?

Fehlklassifizierungen, Datenleaks, Intransparenz und fehlende Akzeptanz. Gegenmaßnahmen sind Monitoring, Schulungen und technische Schutzmaßnahmen.

Wie halte ich Modelle aktuell?

Regelmäßige Retrainings, Feedback aus Vertriebsgesprächen und versionierte Prompts stellen sicher, dass Modelle im Einklang mit Marktveränderungen bleiben.

Quellen & weiterführende Ressourcen

  1. McKinsey (2025): AI in B2B Sales: From experiments to scale.
  2. EU AI Office (2025): Regulatorische Leitplanken für KI-Systeme.
  3. IntroGroup Research (2025): Deep Research Benchmarks in DACH.

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